Realität gestalten – Seit 1986.
Eigentlich fing alles in der Rettenbachklamm an. Während 1986 der Rest der Welt zu Madonna tanzte, kletterte ich mit 16 Jahren durchs Unterholz, um den Müll anderer Leute wegzuräumen. Ob in der Klamm oder unter Lifttrassen beim Wandern in Tirol wo ein Teil meiner Familie zuhause war: Ich konnte Dreck noch nie einfach liegen lassen – weder in der Natur noch in der Gesellschaft. Dieser Drang, die Welt ein Stück sauberer und fairer zu machen, ist mein roter Faden.
1990 wurde aus dem Müllsammeln politischer Protest. Kurz nach Tschernobyl nähte ich aus einem alten Bettlaken ein Banner gegen das AKW Temelín und schickte es als Gruß an die Aktivisten auf den Kühltürmen. Als 1991 meine Tochter Bianca zur Welt kam, wurde der Protest zum Alltag. Bio war damals kein Lifestyle, sondern Überzeugung. Ich habe im Garten gegraben und Fairtrade-Kaffee getrunken, als man dafür noch im belächelt wurde. Ich kaufte sogar Fairtrade-O-Saft, den ich gar nicht trank, nur um dem Markt ein Signal zu geben: Wir wollen Gerechtigkeit.
Doch die Welt antwortete mit Kohlekraftwerken und steigenden CO2-Werten. Zeit aufzugeben? Nein, Zeit für den „Deep Dive“. Als Content Creatorin blickte ich hinter die Kulissen der Industrie. Ich schrieb über Lichtverschmutzung und lernte in Chemiebetrieben, wie Landwirtschaft wirklich tickt. Ich wurde zum Profi des „freien Lernens“: Gartenbau, Wildpflanzen, Vorratshaltung. Mein Wissen floss in Blogs, meine Sehnsucht nach Freiheit brachte mich der Kunst näher. Dreimal CzechTek – Staub, Beats und die harte Erkenntnis von Polizeiwillkür. Ich lernte: Wer für seine Werte einsteht, muss Tattoos manchmal verstecken oder Umwege gehen.
Dann gabs Nägel mit Köpfen. Mit Nachhaltig in Graz haben wir nicht nur Kleider getauscht, sondern den Österreichischen Klimaschutzpreis abgeräumt. Doch Preise sind nur Etappen. Nach Enttäuschungen im klassischen karitativen Sektor und dem Stillstand des Lockdowns kam mein bisher größtes Projekt: Ein eigenes Kräuterbuch im Löwenzahn Verlag – eineinhalb Jahre Rückzug ins Wissen.
Heute ist die Mohoga in der Moserhofgasse das Destillat aus 40 Jahren Anpacken. Es ist der Raum, den ich immer gesucht habe: Ohne Hierarchien, aber mit viel Respekt. Vom Verschenkladen bis zum Sozialregal, vom gemeinsamen Kochen bis zum zuckerfreien Haferkuchen.
Ich sammle heute vielleicht keinen Müll mehr unter Lifttrassen, aber ich räume mit Vorurteilen auf und baue Brücken, wo andere Mauern sehen. Mein Leben war bisher alles – nur nicht fad. Und die Mohoga? Die ist erst der Anfang.













