Wiesenpflege als der Schlüssel zur Biodiversität
Vielen Dank an Michael Flechl, unseren Grazer Kräuter-Experten für den Impuls und die fachliche Beratung. -> https://kraeuter-wanderung.at/
Die richtige Wiesenpflege ist nicht der Feind der Biodiversität – sie ein spannender Motor. Jeder Schnitt im ersten Moment ein Eingriff, dem auch Raupen usw. zum Opfer fallen. Bei fachgerechter Pflege sind diese Verluste jedoch nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass der Lebensraum als Ganzes gesund bleibt.
Die biologischen Hintergründe
Unsere artenreichen Wiesen und Offenlandschaften in Mitteleuropa sind keine unberührte Natur. Ohne den Menschen gab es hier historisch fast nur dichten Wald. Freiflächen entstanden temporär durch Stürme oder Feuer und wurden von großen Pflanzenfressern offen gehalten, bis sie wieder verwaldeten. Erst durch die jahrhundertelange, schonende Nutzung – durch eine kluge Kombination aus dem Heuschnitt im Frühsommer und anschließender Beweidung – sind jene artenreichen Paradiese entstanden, die es heute zu schützen gilt.
Wenn der Schnitt komplett ausbleibt, passiert Folgendes: Ausdauernde, dominante Pflanzen und Gräser verdrängen die zarten Kräuter. Es entsteht ein verfilzter Unterwuchs mit Schimmel und Staunässe. Der Boden bekommt kein Licht mehr, neue Samen können nicht keimen, und bodenlebende Insekten verlieren ihren Lebensraum. Ein kompletter Verzicht auf das Mähen lässt die Biodiversität rasant sinken.
Das Konzept: So wird es im Mohoga-Garten seit Jahren gemacht
Um die Vielfalt auf Wiesen, Rändern und Säumen zu haben, ist der gezielte Schnitt sinnvoll.
1. Die Werkzeug-Auswahl in der Praxis
- Die Sense: Bleibt ökologisch unschlagbar. Sie lässt Insekten Zeit zur Flucht und hinterlässt eine unregelmäßige, gesunde Stoppel.
- Der Balkenmäher: Die beste motorisierte Variante für größere Flächen.
- Der Freischneider: Gezielter Einsatz für bestimmte Stellen.
- Der Rasenmäher: Bei mir nur mit Fangkorb.
Ein Mulchmäher hinterlässt eine dicke Schicht Häckselgut, die den Boden überdüngt und die kleinen Pflanzen erstickt.
2. Der Staffelschnitt in der Mohoga-Praxis
Es wird niemals die gesamte Fläche auf einmal oder komplett abgemäht. In der Mohoga wird ein ganz gezieltes Staffelmähen umgesetzt:
- Der erste Schritt: Zuerst mähe ich nur die Wege, die Bereiche rund um die Beete sowie jene Zonen, in denen aktiv geerntet wird.
- Der richtige Zeitpunkt: Hauptsächlich gemäht wird erst ab Mitte Juni. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Insekten ihre Entwicklung bereits erfolgreich abgeschlossen und sind ausgeflogen.
- Die Rückzugsorte: Ränder und einige andere ausgewählte Stellen werden ganz bewusst gar nicht gemäht, um dauerhafte Wildniszonen und Zufluchtsorte zu erhalten.
3. Schnittgut abräumen
Um Nährstoffe gezielt auszumagern, kommt beim Mähen direkt der Fangkorb zum Einsatz. Das gesammelte Mähgut wird anschließend im Beet als Mulchschicht weiterverwertet.
Keine Angst vor sommerlichen Dörrflecken und kahlgemähten Stellen:
Die intensive Sonneneinstrahlung wirkt wie ein natürlicher Reset, der schädliche Keime und Krankheitserreger im Boden abtötet.
Das Ziel: Eine dreistöckige Pflanzengesellschaft
Eine gesunde Fläche braucht Struktur: eine kurze Unterflora mit kleinen Kräutern (darunter viele wertvolle Wildkräuter), eine mittlere Schicht und hohe Stauden. Der Bewuchs darf und soll lückig sein. Kleine, offene Bodenstellen – sogenannte Störstellen – werden hier gezielt angelegt oder offengehalten, damit neue Pflanzen keimen können und Sonne den Boden wärmt.
Die Natur muss nicht komplett sich selbst überlassen werden, um Artenvielfalt zu fördern. Kulturlandschaft braucht Kulturpflege. Durch das gestaffelte Mähen und das genaue Beobachten der Entwicklung zeigt sich, wie wichtig eine gute Struktur und ein gesunder Unterwuchs sind – weit über die reinen Blüten im Vorbeigehen hinaus.

Die beigefügten Fotos zeigen Flächen, die durch genau dieses durchdachte Management gepflegt werden und sich durch eine sehr hohe Pflanzen- und Insektenvielfalt auszeichnen.


Hier noch ein Link zu
Wilde einheimische Arten im Mohoga Garten
Ich hatte mich 2020 beim Wiesenpreis beworben und habe daher nun eine recht umfangreiche Liste der wilden, einheimischen Gewächse in meiner Wiese


